Rezension – Helene Böhlau: Halbtier!

Bewertung: 5 von 5.

Der Kampf um weibliche Selbstbestimmung vor 130 Jahren – noch immer aktuell ◼️

Das Buch erschien erstmals 1899. Also vor 127 Jahren. Der Reclam Verlag hat es jetzt neu aufgelegt, was sehr anerkennenswert ist. Denn das Thema des Romans hat (leider) nichts von seiner Aktualität eingebüßt.

Verlagsinfo

Die eigenwillige Isolde wächst im Haushalt eines autoritären, mittellosen Künstlers auf und wird, gegen alle Widerstände, selbst Künstlerin. Sie kämpft für ihr Recht, Kind und Arbeit zu vereinen – ein revolutionärer Ruf nach weiblicher Selbstbestimmung. Doch das Patriarchat zermürbt sie. Nachdem ihr einstiges Idol Mengersen sie sexuell belästigt, erschießt sie ihn schließlich, bevor sie selbst den Freitod wählt. 

Buch und Autorin

Es gibt etliche Bücher, die auch nach vielen Jahrzehnten nicht an Wert verloren haben und es verdienen, gelesen zu werden. Das gilt für einige Bücher von Helene Böhlau. Allerdings zählen ihre Romane nicht zu jenen Werken, die noch heute einer breiten Leserschaft bekannt sind. Dabei war sie zu ihren Lebzeiten eine vielbeachtete Schriftstellerin, die von den Einnahmen das Leben ihrer kleinen Familie finanzieren konnte.

„Die Schriftstellerin Helene Böhlau emanzipierte sich schon früh von den Vorstellungen der Eltern, welche Stellung eine Frau in der Gesellschaft einzunehmen hatte. Schreiben war für sie ein Akt der Befreiung, aber auch der Emanzipation und der ökonomischen Selbstständigkeit. Sie gestaltete ihr Leben in ihrem Sinne. So galt sie in München als Kämpferin der bürgerlichen Frauenbewegung, ohne sich von dieser vereinnahmen zu lassen“, heißt es auf #female heritage der Münchner Stadtbibiothek (Monacensia).

Der Reclam Verlag nennt das Buch einen Klassiker über Selbstbestimmung und Befreiung und fest: „Mit psychologischer Schärfe sprengt Halbtier! gesellschaftliche Konventionen und begründete Helene Böhlaus Ruf als feministische Schriftstellerin, von dem sie sich später distanzierte.“ Gründe, die es auch heute noch lesenswert machen.

Aber wer war die Frau, die als „Kämpferin der bürgerlichen Frauenbewegung“ in Deutschland galt? Ihr Leben ist so spannend wie ein Roman. Allein das Nachwort ihrer Urenkelin Helene Falk in „Halbtier!“ ist hochinteressant. Ich musste aber noch mehr wissen. Dazu mehr im 

>> Porträt über Helene Böhlau.

Fazit

Das Buch ist nicht einfach zu lesen. Das liegt zum einen am Sprachstil der Vergangenheit, der für heutige Leser/innen manchmal umständlich oder gestelzt wirkt. Dazu kommt, dass Helene Böhlau lange Zeit in Bayern gelebt hat und dies in der Wortwahl deutlich wird – was es für einen Norddeutschen zusätzlich kompliziert macht. Man muss sich erst einlesen, das dauert eine Weile. Dafür würde ich vier Sterne geben.

Doch dann entwickelt die Handlung Sogkraft. Wer sich für die Geschichte der Frauenbewegung und die Rolle der Frau interessiert, sollte dieses Buch zur Hand nehmen. Daher fünf Sterne.

Herzlichen Dank an den Verlag für das Rezensionsesxemplar. Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.

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