
Camões und Pessoa, zwei Namen, denen der literarische interessierte Lissabon-Besucher nicht entgehen kann. Aber auch zwei Namen, die vielen von ihnen nichts sagen werden. Die aber jedem Portugiesen ein Begriff sind. Camões, der unglückliche Seefahrer und Nationaldichter. Pessoa, der Mann mit den vielen Namen. Auf Schritt und Tritt begegnet man ihnen in der portugiesischen Hauptstadt. Denkmäler, Museen, Cafés erinnern sie. Hier ein kleiner Überblick mit einigen Buchtipps.

Die Stadt der Seefahrer
Lissabon liegt an der gewaltigen Flussmündung des Tejo. Von hier aus brachen Entdecker und Seefahrer auf. Unter ihnen Luís de Camões (1524 –1580), wenn auch nicht ganz freiwillig. Der Sproß aus einem alten Adelsgeschlecht führte ein unstetes Leben und kam ins Gefängnis. Entlassen wurde er unter der Bedingung, im Dienste seines Landes zur See zu fahren. Er machte den portugiesischen Seefahrer Vasco da Gama zum Protagonisten eines Epos‘, das die Entdeckung des Seeweges nach Indien schildert: „Die Lusiaden“.
Damit wurde er zum Nationaldichter Portugals. Ob das gewaltige Werk viele Portugiesen gelesen haben? Auch wenn nicht. Der Name des Mannes ist bekannt, der 10. Juni gilt als sein Todestag und ist in Portugal ein offizieller Feiertag. Und das Camões-Institut, vergleichbar mit dem deutschen Goethe-Institut, ist zuständig für Verbreitung der portugiesischen Sprache und Kultur.
„Für den Reisenden, der sich auf dem Seeweg nähert, erhebt sich Lissabon, selbst von weither, wie ein schönes Traumgesicht, gestochen scharf steht es vor einem strahlen blauen Himmel, den die Sonne mit ihrem Gold erheitert. Kuppeln, Denkmäler, das alte Kastell ragen über die Menge der Häuser hinaus wie weit vorgerückte Boten dieses entzückenden Fleckens, dieses gesegneten Landstrichs.“
Fernando Pessoa in „Mein Lissabon”
Wenn man am Praça do Comércio direkt am Fluss steht und Richtung Stadt schaut, erhält man einen kleinen Eindruck davon, wie Pessoa die Stadt gesehen hat. Fernando Pessoa (1888 – 1935) ist der berühmteste Autor der Stadt. Spricht man mit einem Portugiesen über die Schriftsteller seines Landes, so fällt unweigerlich der Name dieses Mannes.
Ein Mann und viele Namen
Aber Pessoa war auch Alberto Caeiro, Álvaro de Campos und Ricardo Reis. Bekannt wurde er für seine Hetronyme – eine Art literarische Pseudonyme, denen er detaillierte Lebensläufe verlieh. Er hat ein umfangreiches Werk hinterlassen. Darunter eine Liebeserklärung an Lissabon: „Lissabon – Lisboa“. Als sein Hauptwerk gilt “Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares”.
Vaterfigur und die „Söhne“
Pessoa ist zur Vaterfigur für viele portugiesische Literaten geworden – zum Beispiel für José Saramago. Auch er hat sich mit der portugiesischen Hauptstadt beschäftigt und schildert die Belagerung Lissabons durch die Mauren und Touristen („Die Geschichte der Belagerung von Lissabon“). Antonio Tabucchi, der Italiener, der Portugiesisch gelehrt hat, begegnet in seinem „Lissabonner Requiem“Pessoa.
Anders dagegen António Lobo Antunes. In dem Familienepos „Die natürliche Ordnung der Dinge“ das mehrere Generationen umspannt, fängt er die gar nicht natürliche Geschichte Portugals seit den Fünfzigern ein.
Und die afrikanischen Einwander kommen beim Germano Almeida zu Wort: „Der treue Verstorbene“ und „Das Testament des Herrn Napumoceno“.
Die Frauen
So viele Männer und keine Frauen? Doch. Da ist zum einen die Dichterin Florbela Espanca (1894 –1930). Diese stammt zwar nicht aus der Hauptstadt, hat aber hier gelebt und war ein Teil der literarischen Szene (mehr dazu in Teil 3). Allerdings liegen keine Werke von ihr auf Deutsch vor. Aber eine biografische Annäherung von Cartrin George Ponciano.
Lídia Jorge (Jahrgang 1946) wuchs an der Algarve auf und studierte in Lissabon. In einem ihrer ersten Bücher beschreibt sie die Stadt als Paradies ohne Grenzen. Sie ist eine mehrfach ausgezeichnete Schriftstellerin, von der auch weitere Bücher, aber nicht alle ihre Werke, in Deutsch vorliegen.
Nächste Folgen
- Lissabon literarisch, Teil 2: Deutsche Autoren über portugiesische Schriftsteller und die Stadt
- Lissabon literarisch, Teil 3: Mit Catrin Ponciano auf den Spuren von Literatur, Fado und Geschichte
Außerdem:
„Lissabonner Dichter“, Ana Maria Delgado u.a.
„Lissabon – eine literarische Einladung“, Gaby Wurster
