Rezension – Martina Bergmann: Das Fräulein Buchhändlerin

Bewertung: 4 von 5.

Was wären Bücher ohne jene Menschen, die sie zu den Lesern bringen – sprich ohne die Buchhändler oder Bibliothekare? Genaugenommen müsste hier die weibliche Form gewählt werden. Denn: Bücher werden überwiegend von Frauen gelesen und sowohl Buchhandel als auch Bibliothekswesen sind fest in weiblicher Hand. Was ist also passender, als am Welttag des Buches den Roman einer Autorin vorzustellen, der sich mit einer jungen Buchhändlerin befasst?

Verlagsinfo

Buchhändlerin Amanda hat ihre Routine: der Kaffee, den ihr Horst, der erste Sortimenter, zubereitet, die Bücher, die Abende mit Oma. Dass sie bald heiraten und Kinder kriegen soll, weil man 1965 in Bielefeld nicht gleichzeitig ein arbeitendes Fräulein und Gisberts Ehefrau sein kann, das ignoriert Amanda. Doch dann ergibt sich ihr die Möglichkeit, den Laden ihres Chefs Otto Angler zu übernehmen. Beim Aufbau ihrer eigenen modernen Buchhandlung stößt sie auf einige widerständige Herren, die sehr bald merken, dass sie die Intelligenz und den Mut der jungen Dame unterschätzt haben.

Liebeserklärung an den Buchhandel 

Schon der Titel sagt es: Dieses Buch spielt in einer Zeit, als junge Frauen noch als Fräulein tituliert wurden. Das macht den Reiz dieses Romans aus. Und in dieser Zeit benötigten Frauen noch die Einverständniserklärung des Ehemannes, wenn sie arbeiten wollten. Insofern ist das Buch eine kleine Zeitreise. Es zeigt auch: Was heute für Frauen ganz selbstverständlich ist – Familie und Beruf – war vor 60 Jahren noch undenkbar. 

Den Zeitgeist macht Martina Bergmann auch mit der Sprache deutlich. Sie ist ein bisschen spröde, fast ein bisschen altmodisch. Das macht den Zugang nicht ganz einfach. Man benötigt eine Weile, um sich einzugewöhnen. Doch dann entwickelt das Buch seinen ganz eigenen Charme.

„Amanda war keine Patriotin von Borgholzhausen, sondern ihres Berufs. Wenn sie jemand fragte, was ihr im Leben wichtig war, dann sagte sie, ohne nachzudenken: der Buchhandel! Sie sagte nicht: das Lesen, meine Bücher, mich in Literatur zu versenken. Sie bekannte sich zum Buchhandel wie andere Leute zu einem Fußballverein oder der Bauernschaft, in der sie aufgewachsen waren.“

Außerdem ist es eine Liebeserklärung an den Buchhandel und den Beruf der Buchhändlerin. Dabei kann die Autorin auf eigene Erfahrungen zurückgreifen.

Autorin

Martina Bergmann wurde 1979 in Werther geboren.

Bei Rowohlt wurde sie zur Verlagsbuchhändlerin ausgebildet und studierte anschließend Geschichte in Berlin. Sie hatte aber Heimweh nach Ostwestfalen und kam sich mit den Chefs immer in die Quere. Deswegen machte sie sich vor 15 Jahren mit einer Buchhandlung in Borgholzhausen selbständig. Wenn ihr dort langweilig war, schrieb sie manchmal ein Buch.

2023 ließ sie sich von der Stadt Rietberg abwerben, wo es auch viele Fachwerkhäuser und sehr nette Menschen gibt. Martina Bergmann mag ihre Kunden und Kundinnen, die Landschaft und den Heimatverein. (Quelle: Börsenblatt)

Fazit

Die späte Nachkriegszeit aus Sicht einer jungen Frau. Unaufgeregt und gerade darum lesenswert.

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