In Verse gebracht und mit Zeichnungen versehen von James Krüss ◼️

Helgoland. Das ist nicht irgendeine Insel. Das ist ein roter Felsen in der Nordsee mit einer bewegten Geschichte. Und es ist der Geburtsort von James Krüss, dessen Geburtstag am 31. Mai sich in diesem Jahr zum 100. Mal jährt. Grund genug, einige seiner Bücher vorzustellen. Den Anfang macht seine Liebeserklärung an Helgoland.
Verlagsinfo
James Krüss beschreibt seine Heimat, die Insel Helgoland, der er zeitlebens verbunden blieb, obwohl er sie schon 1942 verlassen musste. 612 Verse schildern die Geschichte der Insel von der Steinzeit bis nach dem Zweiten Weltkrieg kurzweilig und mit viel Humor und ironischer Distanz und lassen dennoch immer die enge Beziehung des Chronisten zu „seiner“ Insel durchscheinen. Entstanden sind die Verse in den Jahren 1945 bis 46, während Helgoland Bombenziel der Royal Air Force und daher unbewohnbar war.
Gut gereimt
Ist dieser Anfang nicht genial?
„Irgendwo ins grüne Meer
hat ein Gott mit leichtem Pinsel,
lächelnd, wie von ungefähr,
einen Fleck getupft: Die Insel.“
Mit scheinbarer Leichtigkeit gereimt und so treffend. James Krüss reimte gerne und gut. Seine Zeichnungen erreichen nicht ganz dieses Niveau, sind aber eine amüsante Zugabe. Es ist kein Buch, das man in einem Rutsch liest. Aber man erfährt vieles über den Felsen in der Nordsee.
Interessant ist auch, wie die Gedichte entstanden sind. Das erläutert James Krüss im Nachwort. Er wohnte 1948 in Hamburg. Die Insel wurde von den Engländern bombardiert und er wollte den verstreut auf dem Festland lebenden Helgoländern helfen, den Zusammenhalt zu wahren. Mit einem kleinen Trick gelang es ihm, „die Lizenz Nr. 1 für ein Monatsblättchen zu erhalten“. Gedruckt wurde in Flensburg bei Gustav Adolf Jannsen, einem gebürtigen Helgoländer.
Dass es das Blättchen auf volle hundert Nummern bringen sollte, hätte Krüss nie gedacht. Selbst als er später viel auf Reisen war, lieferte er seine Texte. „Einmal, in München, halt mir auch ein prominenter Zeitgenosse beim Dichten“, schildert Krüss nicht unwichtige Episode seines Lebens. Denn der Zeitgenosse war niemand anderer als Erich Kästner, der den jungen Autoren später förderte.



Bucherfolg und Cover
Später erschienen die monatlichen Beiträge auch in Buchform. Mehrfach legte die Husum Druck- und Verlagsgesellschaft den schmalen Band auf, zuletzt 2023. Ein Exemplar aus dem Jahre 2007 habe ich bei einem Besuch auf der Insel im dortigen Museum gekauft. Das damalige Cover finde ich besonders ansprechend, es wurde unter Verwendung des Gemäldes „Helgoland von der Düne gesehen“ von Fritz Stoltenberg gestaltet und vermittelt einen Eindruck von der Sommerfrische vor dem Zweiten Weltkrieg.
Autor
James Jacob Hinrich Krüss wurde am 31. Mai 1926 auf Helgoland geboren. Seine Eltern waren der Elektriker Ludwig Krüss und Margaretha Friedrichs. Er starb am 2. August 1997 auf Gran Canaria.
Mehr zum Dichter folgt.
https://100jahre.jameskruess.de
Fazit
Gereimtes ist heute nicht mehr oft anzutreffen. Aber es lohnt sich, sich in die Verse von James Krüss zu vertiefen. Man erfährt viel über die Insel, muss an etlichen Stellen schmunzeln und ist nach der Lektüre keinesfalls dümmer. Oder um es mit Krüss zu sagen:
„Wenn euch manches nicht gefällt,
So bedenkt die vielen tristen
Übelstände dieser Welt
Und beschimpft nicht den Chronisten!“
„Historie von der schönen Insel Helgoland“, James Krüss
120 Seiten, Euro, Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, VÖ 1. September 2023
