Lost in Fuseta, 3 ◼️

Leander Lost, der Hamburger Kommissar mit Asperger-Syndrom, hat eine große Fan-Gemeinde. In seinem dritten Fall ist seine Analyse-Fähigkeit wieder gefragt. Allerdings hilft ihm diese in privaten Belangen nur bedingt.
Verlagsinfo
Kann es tatsächlich sein, dass sie ihn liebt? Ihn? Einen mit Asperger-Syndrom? Der Kuss von Soraia Rosado am Flughafen von Faro hat Leander Lost, den Hamburger Kommissar in Diensten der portugiesischen Polícia Judiciária, in große Verwirrung gestürzt – und die Tipps in Sachen Liebe, mit denen ihn sein Kollege Carlos Esteves versorgt, sind nicht unbedingt hilfreich. Doch dann wird in Fuseta die Leiche des deutschen Aussteigers Uwe Ronneberg gefunden, und Leander Lost mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Denn überraschend tauchen zwei seiner Kollegen aus Hamburg auf – Amtshilfe ersuchen. Im nah gelegenen Tavira ereignet sich ein weiterer Mord, Opfer ist die Lehrerin Isamara Alves. Und über allem schwebt als Damoklesschwert die drohende Rückkehr Losts nach Deutschland …
Mehr als ein Krimi
Es geht um Kokain. Klar, daher der Titel „Weiße Fracht”. Da kommt es wieder zu gefährlichen Situationen für das Ermittlerteam aus Faro. Das hat eine gewisse Spannung, aber konnte mich nicht so sehr überzeugen. Hinzu kommt: Ich lese diese Bücher nicht so sehr wegen ihrer kriminalistischen Anteile, sondern wegen der Charaktere, der besonderen menschlichen Konstellationen. Und natürlich wegen der Schilderungen von Orten und Lebensart an der Algarve.
Zum Beispiel über Fuseta: „In einem nur für Elektriker durchschaubaren Wirrwarr (und selbst die mussten manchmal Rat bei ihren pensionierten Kollegen einholen) zogen sich die Stromleitungen über Pfosten und Hausecken quer über die Straßen, verästelten sich, fanden in Form eines ineinander“.
Personen: Herrlich sind die Situationen, in denen Leander sich über seine Gefühle für Soraia klar zu werden versucht. Oder seine Begegnung mit zwei Kollegen aus Hamburg, die zur Unterstützung nach Faro geschickt wurden. Sie werden als dummerhaft dargestellt. Das ist ein bisschen holzschnitzartig, trägt aber auch zum amüsanten Teil bei.
Duarte: Köstlich ist es außerdem, wenn Duarte seine Erfolgs-Visionen spinnt:
„Diese beiden armseligen Gestalten würden weiter hier in der Provinz versauern, und endlich, endlich würde man ihn mit Kusshand in die Lissaboner Kripo übernehmen, ja, eine Ehre wäre es ihnen … “ Nicht genug damit, er sieht sich schon im Fernsehen.
„Und natürlich war es ein klein wenig verfrüht, sich Gedanken über den Titel seiner Autobiographie zu machen, er war ja schließlich kein Narziss, selbstverständlich nicht, aber es konnte natürlich auch nicht schaden, ein klein wenig vorbereitet zu sein: Miguel Duarte – der Phantomjäger.“
Wer die Krimis kennt, der weiß, dass es damit auch dieses Mal nichts werden wird.
Diese Komponenten sind auch dieses Mal ein Teil des Buches. Aber sie kommen nicht so richtig zum Tragen, bleiben im Hintergrund. Das ist schade, denn diese Zwischenspiele sind einfach zu amüsant.
Autor
Cover
Die ehemalige Station der Rettungsschwimmer ist ein oft fotografiertes Motiv von Fuseta und ziert das Cover.

Fazit
Die Krimi-Szenen konnten mich nicht fesseln. Ich habe mich ertappt, wie ich einige quer gelesen habe. Aber aufgrund der oben genannten Komponenten eine unterhaltsame Portugal-Lektüre.
„Weiße Fracht“, Gil Ribeiro
390 Seiten, 11 Euro, KiWi TB, VÖ 7. März 2019
Außerdem
- Rezension Band 1: Lost in Fuseta
- Film Nummer 1
- Film Weiße Fracht
