Rezension – Leigh Calvez: Die Reise der Wale

Mein Leben mit den geheimnisvollen Meeresgiganten ◼️ 

Bewertung: 4 von 5.

Mehrere Wochen beschäftigte ein Buckelwal, der sich in die Ostsee verirrt hatte, Öffentlichkeit und Medien. Alles wurde versucht, um ihn nicht sterben zu lassen. Dieses riesige Interesse führte dazu, dass ich mir das vorliegende Buch ansah. Vielleicht konnte ich auf diese Weise etwas über das Leben der Meeresgiganten erfahren, das mir half, einen Standpunkt in dieser irrwitzigen Debatte zu finden?

Verlagsinfo

Leigh Calvez erforscht als Wissenschaftlerin seit vielen Jahren das Leben der Wale. Hier erzählt sie mitreißend und sehr persönlich die Geschichten dieser Giganten der Tiefsee, darunter familiäre Orcas, weit wandernde Buckelwale oder uralte, tief tauchende Blauwale, die größten Tiere des Planeten. Wir begleiten die Wale auf ihren geheimnisvollen Routen, ergründen ihre Gewohnheiten und Geräusche und kommen ihnen dabei sehr nahe. Die Autorin berichtet von ihren Forschungsreisen und den Schlüssen, die sie hieraus ziehen konnte.

Autorin

Leigh Calvez arbeitete als Wissenschaftlerin und Naturforscherin mit Walen und Delfinen. Sie war Forschungsdirektorin des Ocean Mammal Institute und befasste sich unter anderem mit den Auswirkungen des Schiffsverkehrs auf gefährdete Buckelwale vor Maui, Hawaii. Sie leitete auch das einzige unabhängige Forschungsteam, das 1998 die Tests des aktiven Niederfrequenz-Sonars der US-Marine an Buckelwalen in ihren Kinderstuben auf Hawaii beobachtete. Ihr großes Interesse an diesen Tieren und der Natur weckte ihre Leidenschaft für Nature Writing. Heute veröffentlicht sie Artikel und Bücher zu dem Thema und gibt private Schreibkurse.

Emotional und sachlich zugleich

Sechs Walarten – Orcas, Buckelwale, Pottwale, Blauwale und Grauwale, aber auch der Blainville-Schnabelwal oder der Kleine Schwertwal – werden von Leigh Calvez beschrieben. Ihre Gewohnheiten, Geräusche und Gesänge sind Gegenstand ihrer Betrachtungen, genau wie die Besonderheiten, die sie voneinander unterscheiden.

Zu Beginn schildert sie ihre erste Begegnung mit einem Wal. Ihre Faszination ist deutlich zu spüren, ja, springt fast auf den Leser über. Das ist das große Plus des Buches, aber gleichzeitig auch sein Manko. Leigh versteht es großartig, Fakten und Zahlen so zu verpacken, dass sie anschaulich und überhaupt nicht trocken rüber kommen.

Zum Buckelwal schreibt sie:

Als eins der größten Säugetiere im Ozean kann sein wuchtiger schiefergrauer bis schwarzer Körper mehr als dreizehn Meter lang werden, also länger als ein Linienbus. Ein Buckelwal von etwa dreißig Tonnen (bzw. 30 000 Kilogramm) wiegt so viel wie fünf Afrikanische Elefanten, die größten Landtiere. Mit seinen knapp fünf Meter langen Brustflossen, die er ausstreckt wie ein Adler seine Flügel, gleitet der Buckelwal elegant durch die Meere.

Ein Buckelwal war es, der sich in die Ostsee verirrt hatte. Erst in die Lübecker Bucht, vor die mecklenburgische Küste. Regionen also, in denen höchstens kleine Schweinswale vorkommen. Die übrigens gefährdet sind. Dazu empfehle ich einen >> Artikel des wwf.

Schwierige Diskussion

Das Buch ist bereits vor zwei Jahren (2024) erschienen. Die darin beschriebenen Fakten sind nach wie vor gültig. Und bei aller Emotionalität – um Fakten geht es. Doch von wissenschaftlichen Ergebnissen wollte die Öffentlichkeit in Falle des gestrandeten Ostsee-Wals wenig wissen. Sie hat dem ihm Namen gegeben, quasi zu einem Haustier gemacht. 

Warum diesem Wal? Warum geben wir den Schweinen, die wir schlachten lassen, keine Namen? Warum verbessern wir nicht die Lebensbedingungen für Wale und andere Tiere, statt mit einem großen Hype Rettungsversuche für Einzelne zu unternehmen? Warum war es so schwer zu akzeptieren, dass dieses Tier stirbt?

Ich versuche hier bewusst nicht, Antworten auf diese Fragen zu geben. Das würde zu weit führen. Wer aber etwas für die Meeresgiganten tun möchte, kann das Buch lesen und sich an die am Ende aufgeführten Organisationen wenden oder in Deutschland an den WWF oder Institutionen wie das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund, dass auf seiner Webseite auch auf die Walproblematik eingeht. 

Fazit

Leigh Calvez schreibt sehr persönlich, auch sehr emotional. Etwas, das Sachverhalte interessant macht und ein Sachbuch lesenswert. Das finde ich grundsätzlich gut. Auch dieses Buch kann ich uneingeschränkt allen empfehlen, die mehr wissen möchten über diese faszinierenden Tiere. Es ist spannend zu lesen. Allerdings könnte die emotionale Ebene dazu führen, das Leserinnen und Leser die Wale vermenschlichen – so wie den Ostsee-Wal. Angesichts dieser Vorgänge konnte ich mich nicht zu fünf Sternen durchringen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen