Biografie: Amalie Dietrich. Botanikerin

Vor 205 Jahren, am 26. Mai 1821 wurde die ungewöhnliche Frau und Forscherin geboren ◼️ 

Sie hatte nur die Volksschule besucht, stammte aus einfachen Verhältnissen, aber das Sammeln und Bestimmen von Pflanzen war ihre Leidenschaft. So wurde Amalie Dietrich, geborene Nelle, eine der ersten und bedeutendsten Naturforscherinnen. Geboren wurde sie vor 205 Jahren in Sachsen, sie war Kustodin des Museums für Natur- und Völkerkunde in Hamburg und ist im schleswig-holsteinischen Rendsburg gestorben. Das ungewöhnliche Leben einer ungewöhnlichen Frau.

Vom Mann gelernt, vom Mann verlassen

Mit dem gelernten Apotheker Wilhelm Dietrich streifte die junge Amalie durch die Natur. Durch ihn lernte sie die Pflanzen kennen, lernte, sie zu pressen und die Herbarien zu verkaufen. Damals ein einträgliches Geschäft. Und sie lernte den Mann lieben. 1846 heiraten die beiden. Statt einer gängigen Aussteuer investierte Amalie Dietrich das Geld in eine Ausrüstung für das Geschäft mit den Herbarien. Es lief auch eine Weile gut. Tochter Charitas wurde geboren, die Mutter unterstützte sie. Als diese starb, musste sich Amalie entscheiden: Botanik oder Kind. Sie entschied sich für den Beruf, für die Rolle als Hausfrau und Mutter fühlte sie sich nicht berufen.

Für die damalige Zeit und eine Frau aus einfachen Verhältnissen eine mutige Entscheidung. Ihre Tochter, die dann zeitweise in Pflegefamilien aufwuchs, hat das nie verwunden. Das macht ihr biografischer Roman über die Mutter deutlich. *

Wilhelm Dietrich wurde das Sammeln der Pflanzen, die langen Märsche durch die Natur zu mühsam. Amalie ging alleine los, schaffte sich einen Hund an, der einen Wagen zog. Doch als sie nach langer Krankheit von einer Reise zurückkam, musste sie feststellen, dass ihr Mann sie verlassen und ein bequemes Leben als Hauslehrer angetreten hatte.

Reisen für Johan Cesar Godeffroy 

Johan Cesar Godeffroy (1813 – 1885) war ein Hamburger Überseehändler – mit einer großen Leidenschaft: Er sammelte Naturalien und ethnographische Objekte. Der gebürtige Kieler hatte Kontakt zu Alexander von Humboldt und Rudolf Virchow. Er beschäftigte mehr als ein halbes Dutzend Naturforscher rund um die Welt, selbst in Sibirien, in Mittelamerika, vor allem aber in der Südsee. In seinem Auftrag segelte Amalie Dietrich 1863 nach Australien und sammelte zehn Jahre lange im dortigen tropischen Norden die verschiedensten Objekte. Pflanzen – aber auch menschliche Gebeine. Ein Umstand, aufgrund dessen ihr Wirken heute auch kritisch betrachtet wird.

Dennoch. Bemerkenswert waren der Forschungsdrang und Zähigkeit dieser kleinen Frau. Nach ihrer Rückkehr wurde sie Kustodin im neuen Museum von Godeffroy und war eine von Wissenschaftlern anerkannte Fachfrau.

Tod in Rendsburg

Als das Handelshaus Godeffroy in Konkurs ging, wurde das Museum aufgelöst. Amalie Dietrich fand eine Anstellung als Kustodin im Botanischen Museum Hamburg. Später zog sie sich zurück, besuchte des Öfteren ihre Tochter Charitas. Diese hatte einen Pastor namens Bischoff geheiratet, zog mit ihm erst nach Nordschleswig, dann nach Rendsburg, wo er an der St. Marien-Kirche eine Stelle bekam. Beim Besuch in Rendsburg erkrankte Amalie Dietrich im März 1861 an einer Lungenentzündung und starb. Auf dem Altstädter Friedhof wurde sie begraben. „Setzt mir ein Efeu aufs Grab“, soll sie kurz vor ihrem Tod gesagt haben. Und so ist der Grabstein von Efeu umrankt.

Über die Jahre sind zahlreiche Artikel in der „Schleswig-Holsteinischen Landeszeitung“ über Amalie Dietrich erschienen. Wer mehr wissen möchte, dem seien die unten genannten und im Netz lesbaren Artikel empfohlen. Eine Biografie in Buchform gibt es nicht, lediglich Beiträge in Werken wie „Pflanzenjäger“ und anderen.

Wissenschaftliche Arbeit

Amalie Dietrich war Entdeckerin von ungefähr 640 Pflanzenarten. Nach ihr wurden die von ihr entdeckte Algenart „Sargassum amaliae“, die Sonntau-Art „Drosera dietrichiana“ und die Moosart „Endotrichella dietrichiae“ benannt sowie die Wespenarte „Odynerus dietrichianus“.

Den größten Teil der Dietrich’schen Sammlung aus dem Godeffroy-Museum kaufte das Völkerkundemuseum in Leipzig. Die Stadt Hamburg erwarb die Herbarien, die zoologische und Reste der ethnografischen Sammlung für das Naturkundliche Museum am Steintorwall, bei dessen Zerstörung 1943 dann vieles verloren ging, heißt es im Quartier-Magazin.

Bücher

  • * Biografie von Charitas Bischoff
  • Hielscher: Pflanzenjäger. Kapitel über Amalie Dietrich
  • Romane von Christiane Lind: Weserleuchten / Weserglanz
  • Annette Dutton: Das Geheimnis jenes Tages (guter historischer Teil, Gegenwart ziemlich brutal)
  • Ray Summer: A Woman in the Wilderness

Artikel

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