Rezension – Christiane Lind: Weserleuchten. Aufbruch in eine neue Welt

Bewertung: 4 von 5.

Ein nicht alltäglicher Plot. Bremen als Schauplatz. Mutige Frauen. Alles Zutaten, für einen spannenden historischen Roman. Dennoch bin ich einwenig hin- und hergerissen. Warum, erfahrt ihr unten.

Verlagsinfo

Bremen, 1890. Louise, Tochter aus gutem Hause, sehnt sich nach einem anderen, unabhängigen Leben und will ausbrechen.  Emilie, Botanikerin, kommt aus armen Verhältnissen, plant eine Forschungsexpedition nach Australien. Sie wirkt mutig und frei – aber ist sie das wirklich? Als Louise Emilies Vortrag besucht, wittert sie die einmalige Gelegenheit, dem für sie vorgezeichneten Weg zu entfliehen, und fasst den Entschluss, Emilie nach Down Under zu begleiten. Doch Emilie weist Louise harsch ab – feine Damen wie sie sind nicht für solche Abenteuer gemacht. Louise bleibt hartnäckig, und es entwickelt sich eine Freundschaft zwischen den beiden unterschiedlichen Frauen … 

Botanikerin mit Hundewagen

Gleich am Anfang, nach wenigen Seiten, begegnen sich Louise und Emilie. Louise zeichnet Pflanzen, Emilie ist sehr angetan. Die Botanikerin ist mit einem Wagen unterwegs, der von einem Hund gezogen wird und sammelt Seetang und Pflanzen. Das kam mir bekannt vor.

Louise muss sich an zahlreiche gesellschaftliche Regeln halten – Kleidung und vor allem Verhalten sind neben dem Elternhaus entscheidend dafür, welchen Mann sie heiraten wird. Wer sich im historischen Genre auskennt, für den sind diese Umstände nichts Neues. 

Allerdings ist in diesem Fall nicht London, Wien oder Hamburg der Schauplatz, sondern die Hansestadt Bremen. Ein Plus. Stellenweise wird das Bremer Platt gesprochen, was manche irritieren mag, aber dem Roman eine authentische Komponente verleiht.

Später bricht Emilie beim Sammeln vom Seetang am Strand zusammen und liegt lange Zeit im Krankenhaus. Auch dieser Umstand kam mir bekannt vor. Und ich wusste auch, woher. Vor einigen Jahren hatte ich mich intensiv mit dem Leben der Naturforscherin Amalie Dietrich beschäftigt, die in sächsischen Siebenlehn geboren wurde, aber in Rendsburg (meinem damaligen Arbeitsplatz) gestorben und begraben ist. Auch Amalie Dietrich zog mit einem Hundewagen durch Deutschland, um Pflanzen für Herbarien (systematische Sammlung getrockneter Pflanzen) zusammenzutragen. Auch sie reiste nach Australien.

Wie nach Nachwort von Autorin Christiane Lind offenbart, war die Naturforscherin für die Figur der Emilie Nebelthau das Vorbild. Aber die Parallelen sind so stark, dass ich stellenweise den Eindruck hatte, die historische Figur wird beschrieben. Das stört(e) mich ein wenig Allerdings gibt es von Amalie Dietrich keine Biografie, lediglich den biografischen Roman, den ihre Tochter Caritas Bischoff verfasst hat. Insofern ist es schön, dass auf diese Weise die Leistungen dieser kleinen Frau aus einfachen Verhältnissen in Erinnerung gerufen werden.

Fazit

Ein historischer Roman, der angenehm zu lesen ist und zahlreiche interessante Details enthält. Wer mehr über das Leben von Amalie Dietrich erfahren möchte, der findet Informationen auf etlichen Webseiten und >> hier. 

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