Ein Glücksroman ◼️

Es ist zwar nicht die Frauen-Fußball-WM, sondern die Männer kicken um den Pokal. Aber ein guter Zeitpunkt, um die Superfrauen ins Spiel zu bringen. Es ist der zehnte Glücksroman von Claudia Thesenfitz. Ort der Handlung ist wieder Sylt. Und dieses Mal stehen Frauen um die 50 im Mittelpunkt. Die Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft ist gerade zu Ende gegangen. Die Spiele inspirieren Evi, auf Sylt eine rein weibliche Mannschaft ins Leben zu rufen. Mit ungeahnten Folgen.
Verlagsinfo
Aus Langeweile gründet Evi Hansen (52) auf Sylt eine Frauen-Fußballmannschaft. Auf ihren Aushang im örtlichen Edeka melden sich vierzehn Frauen von 41 bis 65. Der Zusammenhalt der Superfrauen ist schon beim ersten Treffen überwältigend. Doch das Training ist hart: Verletzungen, Streit und sich plötzlich vernachlässigt fühlende Ehemänner stellen die Frauen vor große Herausforderungen. Die Mannschaft droht sich wieder aufzulösen, als ein Trainer für neue Motivation, Trikots und Techniken sorgt und der Mannschaft zu neuem Ehrgeiz verhilft. Gemeinsam fassen sie ein Ziel: Den Sieger-Pokal der Best-Ager-Meisterschaft zu gewinnen. Aber können sie tatsächlich das Golden Goal schießen?
Ü50-Frauen-Fußballmanschaft
Nein, sie sind nicht alle Ü50. Aber kurz davor. Und sie alle haben die alterstypischen Probleme – wie ein paar Kilo zu viel. Oder Hitzewallungen. Oder Ehemänner, die kein Interesse mehr am Sex haben. Oder keinen Ehemann mehr – so wie Evi Hansen. Einfach abgehauen ist er. Harti hat sie ohne Nachricht in St. Peter-Ording stehenlassen. Kein feiner Zug. In den folgenden Tagen denkt sie über ihre Ehe nach. Und da werden viele Situationen etlichen Frauen wohl bekannt vorkommen.
„Abends saßen sie vor dem Fernseher, und entweder schlief Harti dort ein, oder er beschäftigte sich mit seinen Zeitungen oder dem Handy – wenn er nicht auf dem Zweitfernseher in seinem Werkstattschuppen Fußball schaute. Evi hielt das für normal. Natürlich fiel man mit über 50 nicht mehr leidenschaftlich jede Nacht übereinander her. Wann hatten sie eigentlich das letzte Mal Sex gehabt? Sie wusste es nicht.“
Junge Frauen, die noch nach Mister Right suchen, werden angesichts der geschilderten Probleme wohl wenig Lust aufs Altern verspüren. Frauen, die die Lebensmitte erreicht haben, werden vielfach aus dem zustimmenden Nicken nicht herauskommen. Allerdings sind die Schilderungen von Thesenfitz teilweise sehr drastisch. Wer es lieber dezent mag, ist vielleicht irritiert.
„Beruhigt stellte Evi fest, dass keine der Frauen dem gängigen Schönheitsideal entsprach: Bei der einen hingen die Brüste schief, bei der anderen waren die Rettungsringe zu üppig, und bei der nächsten glichen die Cellulite-Dellen Hagelschäden. Älter werdende Frauenkörper: […] Das waren dellige Arme mit wackelndem Winkfleisch und Inkontinenzwäsche wegen Gebärmuttersenkung nach einer Geburt.“
Doch insgesamt ist es erfrischend, dass Frauenprobleme dieser Altersgruppe mal deutlich benannt werden! Die Idee zu einer Frauenfußballmannschaft ist ein herrlicher Einfall.
Das Positive des Buches: Es widerspricht den Klischees in Sachen Frauen und Fußball. Und es schildert die Lebenssituation älterer Frauen – mit einer Prise Humor.
Das Negative: Die Autorin verwendet viele Sprüche, die in den sozialen Medien zu finden sind. Die treffen zwar vielfach den Nagel auf den Kopf, aber in ihrer Menge wirkt es
Fazit
Das Ganze erzählt Thesenfitz gewohnt locker und mit einer Prise Klischee. Wer sich an Letzterem nicht stört, wird bestens unterhalten.
„Die Superfrauen von Sylt“, Claudia Thesenfitz
272 Seiten, 12.99 €, Ullstein TB, VÖ 27. März 2025
