Rezension – Nele Jacobsen: Ein Sommer im Rosenhaus 

Bewertung: 4 von 5.

Einen verwilderten Garten wieder auf Vordermann zu bringen, ist für manchen Gartenliebhaber/Liebhaberin ein Traum. Noch dazu, wenn es sich in den Beeten um alte Rosensorten handelt. Dazu ein altes Haus und ein Geheimnis und eine Prise Liebe. Alles Zutaten für einen ausgesprochen rosigen und unterhaltsamen Roman – bei dem zudem am Ende Rosenrezepte gibt.

Verlagsinfo

Nach dem Tod ihres Mannes und dem Auszug der Kinder sucht die Botanikerin Sandra einen Neuanfang für sich. Sie kauft ein altes Gärtnerhaus auf Usedom an der Ostsee, zu dem ein verwilderter, aber einmalig schöner Rosengarten gehört. Doch die Pflege der empfindlichen Pflanzen erweist sich als schwieriger als gedacht, so dass sie den britischen Rosenexperte Julian zu Rate ziehen muss. Der hilft ihr zwar, verhält sich sonst jedoch merkwürdig abweisend. Dann findet Sandra heraus, dass ihr Garten ein Geheimnis birgt – aber um es zu lüften, müssen sie und Julian sich zusammenraufen … Mit wunderbaren Rosenrezepten zum Nachkochen. 

Garten im Dornröschenschlaf

Ein altes Haus herrichten und dann noch einen Garten mit alten Rosensorten wieder auf Vordermann bringen – ein Traum, wenn auch ein anstrengender und einer mit Hindernissen. Diese Erfahrung muss die Hamburgerin Sandra machen. 

„Was sollte sie also tun bis zum Ende ihres Lebens, das zur Hälfte schon gelebt war?“ Diese Frage stellt sich Sandra. Als sie das Haus mit dem Rosengarten im Internet entdeckt, verkauft sie kurzentschlossen ihre Immobilie in Eppendorf und zieht nach Usedom.

Theodor von Bantekow hatte hunderte Rosensorten in Europa, Amerika und Asien aufgekauft „seine Madame Dorothee Bantekow und seine Meo warn heute noch im Handel“, so die Geschichte. Der Rosenzüchter musste in den 40er Jahren fliehen, konnte nur wenig Schmuck und ein paar Erinnerungsstücke mit auf die Flucht nehmen. Sein Enkel wächst in England auf  – und hat die Liebe zu den Rosen geerbt. Seine Lieblingsblume: Die „Bernsteinrose“ von Tantau, 1987 gezüchtet. „Er liebte ihre ungewöhnlich bernsteingelbe, volle Blüte und den starken Duft“. Rosenliebhaber werden bei den Beschreibungen entzückt sein, aber auch alle anderen Gartenliebhaber. Und der eine oder andere wird vielleicht durch die Lektüre zum Rosenfan.                                                                                                                                                        

Ein Haus ist Ostdeutschland

Bantekow nennt Nele Jacobsen den Ort mit dem alten Haus, eines, wie so viele im Osten Deutschlands, die nach dem Krieg für unterschiedliche Zwecke genutzt wurden und um die es nach später Streitigkeiten gab. So konnten im Buch die Erben von Bantekow das Haus nicht zurückkaufen.

„Er war nur vor fast dreißig Jahren, kurz nach der Wende, einmal für einen Tag mit seinem Vater in Bantkow gewesen… Es hatte ihn nicht im Geringsten interessiert, wo seine Familie vor so vielen Jahrzehnten einmal hergekommen war. … Er war Engländer. Punkt.“

Aber der Erbe taucht auf. Neben einer Liebesgeschichte gibt es die Suche nach einer besonderen Rose. Eine ganz wunderbare Kombination.

Reiseziele

Wer auf Usedom Rosen entdecken möchte, konnte dies beispielsweise auf dem Hof der Familie Wulff. Ob der Rosenhof Zinnowitz noch aktiv ist, konnte ich leider nicht ermitteln. Aber beim Wasserschloss Mellenthin gibt es einen Rosengarten mit über hundert verschiedenen Sorten.

Fazit

Ein wunderbarer Sommerroman zum Schmökern und Träumen. Der noch dazu Lust macht auf eine Reise nach Usedom. Ich habe dieses Buch vor einigen Jahren sehr gerne gelesen – und würde es noch ein zweites Mal.  

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